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Unsere lustigsten Momente hängen an unserer Pinnwand

Es ist neun Uhr abends, ich komme hundemüde von einem Training nach Hause, beziehungsweise ins Internat. Lachen schallt durch die Gänge und ich bin augenblicklich wach. Eine Gruppe junger Frauen steht im Gang und grinst mich fröhlich an. Die Stimmung erinnert einen eher an ein Klassenlager, als an ein strenges Internat.

Früher hat mir das Wort „Internat“ Angst gemacht, aber ich wusste, dass das Internat Hofwil die einzige Lösung für mich war. Die Schule, der Sport, und das Wohnen, alles war am gleichen Ort. Bald merkte ich, dass dieses Internat jedenfalls nicht meinen alten Vorstellungen entspricht. Es besteht eher die Gefahr, dass man sich nicht auf die Aufgaben konzentrieren kann, als dass man sich langweilt.

Ich bin schon bald seit zwei Jahren hier im Internat. Für mich ist es ein Zuhause geworden und die Mitbewohner/innen fast zu meiner Familie. Man schaut zueinander und hat seine guten Freunde immer um sich geschart; einerseits anstrengend, andererseits etwas vom Tollsten, das es gibt. Meine Zimmerpartnerin, mit welcher ich während des ersten Jahres das Zimmer teilte, kenne ich erst seit dem Eintritt ins Internat. Wir sind beste Freundinnen geworden! Unsere lustigsten Momente hängen an unserer Pinnwand. Diese schauen wir – und auch unsere Besucher/innen – gerne an! Die Erinnerungen an unsere Erlebnisse im Internat lassen uns schmunzeln und daran denken, wie schön es doch ist, wenn die Sonne am Morgen über den Hügeln aufgeht und direkt in unser Zimmer scheint.

Valerie Will 175f

 

«Liebe auf den ersten Blick»

Wir hatten uns nur erst einmal gesehen und jetzt wirbelten wir beide mit unseren Familien im Zimmer herum, um dies einzurichten. Es war ein lustiges Bild. Fotografierende Mütter, fliegende Wäschekörbe sowie Kissen und viel zu viele Menschen in dem so, dann doch klein wirkenden Internatszimmer. Erst als unsere Familien gegangen waren, konnten wir etwas zur Ruhe kommen und uns näher kennen lernen. Wenn ich es jetzt beschreiben müsste, würde ich sagen «Liebe auf den ersten Blick», falls dies auch unter Kolleginnen existiert. Erst später im Jahr stellte sich heraus, dass nicht alle soo viel Glück mit ihren Zimmerkolleginnen hatten. Auch wir waren von Grund auf verschieden. Sie die chaotische, doch eher scheue Holländerin aus dem Berner Oberland und ich die zu organisierte, plauderfreudige Emmentalerin. Zusammen ergab das eine überkreative und hoch explosive Mischung. Dies zeigte sich auch in unserem Zimmer. BHs wurden zu Girlanden umfunktioniert und mit Gurken bedruckte Kissen schmückten unser Sofa. Um dies etwas unter Kontrolle zu kriegen, führten wir dann nach einer Weile eine Art Power-Aufräumen ein. Ab und zu räumten wir so zu Musik tanzend in Windeseile unsere Bude auf, um sie wieder bewohnbar zu machen.

In kürzester Zeit hatten wir beide eine neue beste Freundin gefunden. Wir setzten einander gegenseitig auf Handy-Entzug, um uns auf schulische Arbeiten zu konzentrieren, bewarfen uns mit Tennisbällen, sangen in der Dusche, lachten über unsere Tollpatschigkeit und plauderten Tag und Nacht.

Gegen Ende des Schuljahres, als der Notenstress dann endlich nachliess, zog es uns nach draussen. «Chirschi abläse ir Hoschtet», joggen auf dem Golfplatz, wo der Kinderwagen-Tourismus wieder begonnen hatte und baden im Moossee gehörten zum täglichen Programm. Wir genossen die langen Abende und die immer näherkommenden Ferien.

Wir sind angekommen. Angekommen in Paradies «Höfu». Zwischen Schulzimmer und Bett, wo wir eine zweite Familie gefunden haben und mit Schrecken festgestellt haben, wie schnell die Zeit vergeht.

Evy Karstens, 20d und Fränzi Kuratli, 20a



 

 

Okay, aber ich spiele nur eine Runde

Lernen oder Spielen? Ein weiteres Mal ziehe ich das Vergnügen der Arbeit vor. Den Satz «Okay, aber ich spiele nur eine Runde» habe ich oft ausgesprochen, mich jedoch kaum daran gehalten. Seien es zwei Stunden Fussballspielen auf dem Rasenplatz, fünf Runden Volleyball in der Turnhalle oder ein «Werwöufle» bis spät in die Nacht.

Ich bin eine Person, die sich sehr schnell vom Lernen abhalten lässt. Zu meiner Verteidigung: Es ist sehr schwer, als unternehmungslustige Person all diesen Aktivitäten zu widerstehen. Vor allem als ich neu im Internat war, dachte ich mir immer, dass es doch viel mehr Sinn mache, neue Leute kennenzulernen und etwas mit ihnen zu unternehmen, anstatt stundenlang in meinem Zimmer zu sitzen und zu lernen. 

Die Folgen dieser Einstellung konnte ich deutlich an meinen schulischen Leistungen sehen. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich vielleicht ein, zwei Stunden weniger Tichu spielen und dafür vielleicht ein, zwei Stunden mehr in die Schule investieren sollte.

Ich glaube, dass ich jetzt ein recht gutes Mittelmass gefunden habe. Ich lerne strukturierter und somit (teilweise) auch früher, so dass ich es mir dann auch wieder leisten kann, einen Abend mit anderen Internatsmitbewohnern zu verbringen und diesen auch geniessen zu können, ohne den Hintergedanken, dass ich ja eigentlich am Lernen sein sollte.

Einen extremen Vorteil haben wir hier im Internat beim Lernen, indem wir zu jedem Thema, in jedem Fach und (fast) zu jeder Zeit jemanden finden, der einem bei Schulsachen weiterhelfen kann.

Jeanne Lüthi, 21c